Trutzige Burgen und imposante Schlösser, farbenfroh ausgemalte Kirchen und einsame, stille Kapellen,
malerische Dörfer und Städt­chen in ganz unterschiedlichen Kulturlandschaften machen den Reiz der »Stiegen zum Himmel« aus.

Wenn Reisende sich in Südtirol und Graubünden auf die Spur nach den auf dieser Karte verzeichneten Stätten machen, haben sie verschiedene Verkehrsmittel zur Auswahl: Auf den Alpenstraßen können relativ rasch große Distanzen überwunden werden. Die attraktiven öffentlichen Verkehrsmittel wie die Vinschger Bahn, der Engadin – Meran Route Express und die berühmte Albulalinie der Rhätischen Bahn laden zu einem entspannten Reiseerlebnis ein. Mittelalterlich wäre es, die Stätten zu Fuß zu erwandern und tatsächlich gibt es zwischen einzelnen Stätten immer wieder Wanderwege auf historischen Pfaden, auf welchen früher Pilger, Kaufleute und Ritter die Täler durchstreiften und die Pässe überquerten. Zumindest der letzte Teil der Annäherung an eine Stätte muss so oder so zu Fuß gemacht werden.

Und wenn Sie auf Schusters Rappen die letzten Stufen zu einer hochgelegenen Kapelle oder die Steintreppe zu einer Burg erklimmen, umgeben von einer uralten Kulturlandschaft, eingehüllt in die Geräuschkulisse der alpinen Natur und den Duft der Wälder, Wiesen und Alpweiden einatmen, dann sind Sie schon fast im Mittelalter angekommen. Wenn Sie aber eine Kirche oder eine Burg betreten, dann lassen Sie die Gegenwart endgültig hinter sich. Vor Ihnen öffnet sich eine fremde und geheimnisvolle Welt.

Das Mittelalter in Südtirol und Graubünden ist so vielfältig, wie es Landschaft und Kultur sind. Prunkvolle Rittersäle stehen neben dunklen Verliesen, fromme Heilige neben Darstellungen der Hölle und des Bösen.

Jeder Besuch einer Stätte bringt Sie dem Mittelalter wieder ein Stück näher, eröffnet Ihnen einen neuen Blickwinkel auf eine Epoche, welche voller Geheimnisse ist. Erkunden Sie eine Burg, suchen Sie nach Spuren zur Lebensweise von Fürsten, Grafen, Rittern und Bauern. Vertiefen Sie sich in die Darstellung des Leben Jesu und tauchen Sie ein, in eine Welt, die dem Seelenheil alles unterordnet. Und wenn Sie wieder nach draußen treten, fällt Ihr Blick auf mit ewigem Schnee bedeckte Alpengipfel.

Auf den »Stiegen zum Himmel« bewegen Sie sich in einem Gebiet, in dem in grauer Vorzeit das sagenumwobene Alpenvolk der Rätier siedelte. In dessen Zentrum gründete Karl der Große im 8. Jahrhundert das Kloster St. Johann in Müstair, um den Weg in die Lombardei zu sichern. Später kämpften die Bischöfe von Trient und Chur mit weltlichen Herren um die Macht in den Tälern und über die Pässe, bis mit der Loslösung Graubündens aus dem Deutschen Reich und den damit verbundenen schrecklichen Kriegswirren die politischen Gemeinsamkeiten ein vorläufiges Ende fanden.

Wenn Sie auf der Suche nach den »Stiegen zum Himmel« die Alpen überqueren, den sonnigen Süden, die rauen inneralpinen Täler und die herbe Schönheit des Nordens erkunden, dann werden Sie die Gegensätze und Gemeinsamkeiten von Graubünden und Südtirol kennen lernen und am Ende um eine Fülle von Erfahrungen reicher zu sein.

Marc Antoni Nay